Griechische Götter und falscher Heldenglanz
Hans Schwab mit seinem Solostück „bye bye Troja“  auf der
Kleinkunstbühne „Fresche Keller“
Ortenberg (em). Vor Beginn blickten manche Besucher ängstlich in das kleine Programm mit dem Personenverzeichnis:  „Man kennt die gar nicht so genau, die Götter…“. Die Sorge war unbegründet. „Bye Bye Troja“ im „Fresche Keller“ erwies  sich nicht als Geschichtsstunde eines strengen Studienrats sondern als eine vielschichtige Entdeckungsreise, als  Begegnung mit dem fernen trojanischen Krieg -  und seiner Nähe.Homer pur ist das Stück nicht, obwohl man bei den  wörtlich erzählten Iliaspassagen fasziniert ist von der Bildhaftigkeit des Textes, seiner unglaublichen Erzähl- und  Detailfreude. Das inspirierte andere – 3000 Jahre später. „Der Schweizer Schauspieler und Regisseur Hans Dieter  Jendreyko hatte die Idee, den letzten Kapiteln dieses Krieges nachzuspüren und ist dabei auf etwas gestoßen, was man  den trojanischen Frieden nennen könnte – Frieden mitten im Krieg, heißt es im Programmheft.Der Kabarettist Matthias  Deutschmann wandelte den Text in einen „Satyrischen Monolog“ und untersuchte den Stoff auf seine Hollywood- Tauglichkeit. Damit war „Bye Bye Troja“ geboren, ein herrlich respektloser Bericht über Göttinnen, Götter, Krieger und  den falschen Glanz des „Heldentums“. Wahrhaftig eine Herausforderung für Hans Schwab. Zum ersten Mal wechselt er  hier vom Schauspiel und lyrischen Vortrag zum Kabarett, hatte in diesem Solostück acht Götter darzustellen und noch mehrere griechische und trojanische  Recken dazu, inklusive dem nahtlosen Wechsel von den Bonmots des Kabarettisten zur Rezitation der Ilias.Weder Schwab noch Regisseurin Ronka Nickel setzten  auf weihevolle Antikendarstellung – kein blinder Sänger tastet sich mit einem Stab auf die Bühne. Im hellen Leinenanzug mit Original-Olymplia-Hut schlägt  Schwab den Bogen zu den smarten Hollywood-Helden. – und nimmt sie gleich aufs Korn. Einem kleinen Pointen – Feuerwerk mit Seitenhieben auf den  „fundamentalen Optimismus“ der Amerikaner („Die Welt wird untergehen, aber Amerika kann gerettet werden!“) folgt eine unnachahmliche Schwarzenegger –  Pantomime („Schon wieder hat ein Österreicher beschlossen, Politiker zu werden!“).“ Hollywood goes Troja“ – Schwabs Monolog verschont weder die antiken  Kämpfer noch Hollywood – Stars, weder die griechische Elite – Einheit im Bauch des trojanischen Pferdes – noch „Special Agent Achilles“, am Besten mit Brad  Pitt besetzt. Schlecht weg kommt auch die Schöne Helena alias Diana Krüger („Viel Mascara, wenig Charisma!“)Und dann wird scheinbar beiläufig von dem  einen, dem atemberaubenden Moment erzählt als der Trojanische Krieg fast vor der großen Katastrophe ein friedliches Ende gefunden hätte (= Ziemlich  gewaltfrei, aber langweilig. Allein das Böse bietet gute Unterhaltung). Die Götter meinen es nicht gut mit den Menschen – Athene mischt sich ein, ein Trojaner  tötet einen Griechen, und der mörderische Countdown läuft. Hektor tötet Patrokles im Kampf und dessen bester Freund Achill entwickelt ein „Charles Bronson  Syndrom“, von Schwab sofort pantomimisch umgesetzt.Wieder mischen sich die Götter ein, und sekundenschnell springt Schwab in Kameramann – Pose auf  einen Säulenstumpf, als nähme er den Trojanischen Krieg in Götteroptik aus der Vogelperspektive auf. Zeus zieht das Todeslos für Hektor, Athene verwandelt  sich in seinen Bruder und stachelt ihn auf: „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!“ – das hätte auch ein Politiker aus Texas sagen  können… In einer knappen, höchst ausdrucksvollen Pantomime zeigt Schwab den Kampf der beiden, die furchtbare Sackgasse aus der es keinen Ausweg mehr  gibt. Und die Götter schauen zu, wie Achill in seiner Raserei noch den toten Hektor verstümmelt.Ach ja, die Götter. Schwab sucht für eine Besetzung für die Zeus  – Rolle. Peter O´Toole? Sean Connery? Bruno Ganz („Geht nicht, der spielt schon Hitler“)? Mario Adorf oder Klaus – Maria Brandauer? Gefunden: Marlon Brando  – „nicht der frühe, nicht der späte, aber der Pate“! Mag er sich noch so als Göttervater gebärden, „Zeus ist nur Geschäftsführer der Olympia – Schicksals –  GmbH. Wer wirklich Regie führt, das wissen die Götter…!“Und so entstehen im Monolog die Szenen von damals, die im Krieg von heute spielen könnten. Der alte  Vater, der den Mörder seines Sohnes um dessen Leiche bittet, die hellsichtige Kassandra, deren Warnung niemand glaubt („sie hat das Casting für Hollywood  nicht bestanden – sie hat ja recht, aber das nervt!“) Ein vielschichtiges, facettenreiches Stück, das man mehrmals anschauen und dabei immer neue Aspekte  entdecken könnte. Bei der zweiten Aufführung sei Matthias Deutschmann in Ortenberg gewesen und habe die Aufführung gut geheißen, war zu hören – ein  Ritterschlag auch für Regisseurin Ronka Nickel. Ihrem Konzept ist es zu danken, dass auf der kleinen Bühne, im Monolog des einen Schauspielers, Weltbilder  gelungen sind. Szenen von damals, Szenen von heute! (Wetterauer Zeitung)
In die Welt der Götter getaucht
Ichenhausen (mde).
 Götter und Menschen machten sich mitten im trojanischen Krieg auf die Suche nach dem trojanischen Frieden. Seit neuestem beteiligen
sich auch deutsche Regisseure in Hollywood an dieser Suche. Homer berichtet in seinem "Illias" von einem regen Flugverkehr der Götter und ihrer
gottgezeugten Kriegshelden, der bis heute angehalten hat. Einer von ihnen, der geniale Schauspieler Hans Schwab, flog am Samstag über dem Ichenhauser
Dilldapper.
Zum fünften Mal gastierte der Schauspieler Hans Schwab auf der Ichenhauser Dilldapperbühne. Wie bei allen seinen Auftritten riss er mit seinem satirischen
Monolog "bye bye Troja" das Publikum auch diesmal von den Sitzen. Ein antiker Kampfhelm, ein Lorbeerkranz und ein Original-Hut der deutschen
Olympiamannschaft genügten ihm, um allen Rollen der Götter und Menschen gerecht zu werden, welche diese von der Antike bis heute im Krieg und im Frieden
spielten und spielen. Mit hinreißender Mimik und spielerischer Leichtigkeit nahm Hans Schwab das Publikum mit auf die Reise von Troja nach Hollywood und
machte deutlich, dass alle Geschichtsbilder verkitscht werden, wenn sie von den Menschen ohne die Götter schön gezeichnet werden.
Da wird "Troja" zum Cowboyfilm und "The day after tomorrow" zur Vorankündigung eines apokalyptischen Rheumaanfalles. Die Botschaft Hollywoods lautet
indessen unverdrossen: Wir machen unseren Job. Das dachte auch "die griechische Eliteeinheit" im trojanischen Pferd und löste mitten im trojanischen Frieden
den trojanischen Krieg aus. Hollywood goes to Troja, es macht nur einen Fehler: Es vergisst, dass im antiken Griechenland nichts ohne Göttervater Zeus und die
"Family" ging. Hans Schwab füllt diese Geschichtslücke mit solcher Lust, dass auch das nicht geschichtsbeschlagene Publikum sich gerne mit ihm auf die Reise
machte. Wie er dabei das Beziehungsgeflecht zwischen Göttern und Menschen! satirisch beleuchtete, war von dramatischer Heiterkeit und hinterlistiger Komik.
Nach diesem Abend spürte man, dass die Antworten auf drängende Menschheitsfragen weder aus Hollywood noch aus anderen Götterwelten zu erwarten sind.
"Die Götter machen nur Vorschläge. Was die Menschen daraus machen liegt bei ihnen". Hans Schwab sprach's und trank mit Schalk in den Augen ein Glas
Rotwein auf das Leben. Die Fans im Dilldapper stießen gerne mit ihm an. Er hatte ihnen wieder einen herrlichen Einmann-Theaterabend bereitet.www.
© 2004 Augsburger Allgemeine
Wo bleibt Zeus?
Deutschmann-Satire „bye, bye Troja" im Torturm(hks).
Ist die Zeit der Weinfeste in Mainfranken gekommen, findet auch im mittelalterlichen Torturm von Sommerhausen (nahe Würzburg) eine besondere theatralische
Verköstigung statt. Veit Relin, eine Art Winzer im Weinberg der Kultur, macht dann sein schier, unerschöpfliches Fass aromatischer Bühnenkreszenzen auf und
schenkt einen gut bekömmlichen Tropfen ein.
Serviert wird wie immer im unvergleichlichen Torturmtheater. Es ist bereits Veit Relins 116. Programm und anstandslos zu empfehlen. Dafür stehen der Autor
des Monologstückes, der über jeden kabarettistischen Zweifel erhabene Matthias Deutschmann, seine Satire „bye, bye Troja" und der völlig losgelöste Solist auf
enger Bühne, das kluge Schauspieltemperament Hans Schwab. Wer nicht nur die mainfränkische Weingegend, nicht nur das Theatervergnügen, nicht nur die
von Homer überlieferte Antike schätzt, sondern darüber hinaus auch das Filmgeschehen, der/die ist mit diesem komödiantischen Verschnitt in der Regie von
Ronka Nickel bestens bedient.Es ist wohl wahr: Homer war der erste Drehbuchautor Europas. Fast dreitausend Jahre nach seiner Zeit verfilmt Hollywood seine
„Ilias". Tantiemen sind nicht mehr fällig. Auch können die wahren Kriegsgründe bedenkenlos in Frage gestellt werden. Vor Troja sei es gar nicht um Helena
gegangen, so wenig wie vor Bagdad um Saddam.Verzichtbare Götter
Kassandra, das „trojanische Frühwarnsystem", macht Schwierigkeiten. Sie passt nicht in unsere Happy-End-Kultur. Zudem gibt es für sie keine Filmförderung
vom Pentagon. Auch die Götter spielen im Hollywood-Troja (mit Brad Pitt im Hauptpart und Wolfgang Petersen in der Regie) keine Rolle. Dabei müsste doch,
sollte man meinen, vor allem Zeus als „Geschäftsführer der Olympier-Schicksalsgemeinschaft GmbH" unverzichtbar sein. Allerdings neigt hier Matthias
Deutschmann zum Fatalismus: „Wer wirklich das Sagen hat, das wissen die Götter, aber die können nichts daran ändern." - Die alten Griechen haben sich und
ihren Helden vor Troja und andernorts das Leben zusätzlich schwer gemacht. „Ein halber Gott ist auch nur ein halber Mensch", erfahren wir und ahnen das
damalige Dilemma, das uns zivilisierten Zeitgenossen erspart bleibt. Aber warum droht uns dann der Untergangsphilosoph Oswald Spengler, Zivilisation sei das
Schicksal einer jeden Kultur? Kurzum: Man kann herzhaft lachen mit Veit Relin, Matthias Deutschmann, Hans Schwab und „bye bye Troja", muss aber nicht.
Augsburger Allgemeine, 13. August 2005)
Im Torturm streiten sich die Götter
Hans Schwab amüsiert mit Matthias Deutschmanns „Bye, ,bye Troja
"SOMMERHAUSEN In Zeiten der Ungewissheit beweisen die Mythen der alten Griechen eine erstaunliche Vitalität. Selbst ein aufgeklärter Geist wie der
Kabarettist Matthias Deutschmann ist fasziniert von der 3000 Jahre alten Geschichte um die Belagerung Trojas. „Bve, bye Troja" heißt sein Theatermonolog, der
auf der Foyer-Bühne im Sommerhäuser Torturmtheater Premiere hatte.Hans Schwab, von seinen Dario-Fo-Produktionen noch in bester Erinnerung, gibt in der
Inszenierung von Ronka Nickel den Erzähler. Er spielt und spricht den Text ganz im bildhaften Stil von Dario Fo - in einer abwechslungsreichen Mischung aus
Rollenspiel, Körpertheater, Kabarett und direkter Interaktion mit dem Publikum.
Dabei geht „Bye, bye Troja" weit über eine Neufassung von Homers Epos hinaus. Deutschmann richtet den Fokus auf die Götterwelt. Zerstritten, eifersüchtig
und intrigant ziehen die Weltenlenker hinter den Kulissen die Strippen uncd schicken ihre menschlichen Zöglinge in einen zermürbenden, zehn langen Jahre
Krieg: Die Helden sind nur Marionetten der unsichtbar Mächtigen.Im Kontrast dazu benötigt Hollywood genau diese Helden für seine Bildermaschinerie und
reduziert die Figurenwelt Homers auf die schönen und erfolgreichen Kämpfe. und Krieger. In dieser Konfrontation der Widersprüche zeigt sich der politische
Moralist im Theaterautor Deutschmann. Gekonnt integriert er die Kritik am Hollywood-Film in seine Fassung des „echten" Mythos. Und er wäre kein guter
Kabarettist, würde er nicht Parallelen zwischen „alten" und „neuen" Kriege, zwischen der intriganten Götterwelt und interessengeleiteten Welt der Gegenwart
aufzeigen.Dank der vor allem im zweiten Teil fesselnden Darstellung und mimischen Präsenz von Hans Schwab verschmelzen die verschiedenen Ebenen zu
einem unterhaltsam-harmonischen Ganzen, bei dem Freunde des Theaters und des Kabaretts gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Und nicht zuletzt in einem
kurzweiligen Crash-Kurs ihre Kenntnisse in antiker Mythologie auffrischen können.
Manfred Kunz (Mainpost, 06. August 2005)
Vom Himmel gepflückt
Hans Schwab in »bye, bye Troja« in Sommerhausen
Wer soll den Zeus spielen? Helmut Kohl vielleicht? Oder doch besser Schröder? Der wäre gut zu casten. Aber dann wird es doch ein ganz anderer in Matthias  Deutschmanns komödiantischer Satire »bye, bye Troja«, die die Götter vom Olymp holt und aus Helden Menschen macht. Ein bisschen »Ilias«, ein bisschen.  Troja-Film, Theater auch und Yellow Press, alles fest geschüttelt - und heraus kommt ein kunterbuntes Solo für Hans Schwab, der im Torturmtheater  Sommerhausen durch die Mythen rast, dass den Helden Hören und Sehen vergeht. Ganz klein werden sie angesichts der neuen Wirklichkeit. In der bläst sich der Terminator auf. Wie weiland Achill. Da staunen die Recken nicht schlecht. Statt  golden beflügelt von der klingenden Sprache Homers brabbeln die Selbstdarsteller von Heute mit krudem Pathos der Bauchlandung entgegen. Der Mythos wird  vom Himmel gepflückt und in die Erde gerammt. Da wachsen die Krisen aus dem Boden, und der Mensch wird Kapital. Denn die Ackermänner sterben nicht aus.  Hin und her geht es in Matthias Deutschmanns Trojaerzählung, rein in den Himmel und raus aus ihm, her mit den Helden und weg zu Schwarzenegger, Schweiß,  Blut und Tränen statt Glanz und Gloria von Hollywood, Griechenland und Troja alias Denver und Dallas. The Show must go on: Alles beim Alten, hier wie dort. Und so dreht und wendet Matthias Deutschmann die IIias, dass es kracht und die Komik schließlich schenkelklopfend einher galoppiert. Da hat Regisseurin  Ronka Nickel Mühe, die Ausuferungen auf der kleinen, wie ein Laufsteg angelegten Bühne samt Säule und Griechenbild von Veit Relin im Foyer des  Torturmtheaters einzudämmen. Dank Hans Schwab, der sich mächtig ins Zeug legt, gelingt ihr dies, denn die scheinbar mühelose Konversation, mit der Hans  Schwab immer wieder den rasenden Text unterbricht und auf das Publikum zugeht, lässt Luft zum Atemholen, so dass es auch Raum gibt für die sich  erhebenden Verse Homers. Welch ein Genuss, sie zu hören: Der Mythos lebt! Anneliese Euler (Main Echo, 11.08.2005)