Kritiken zu “Bänkel und Kitsch”
Hans Schwab in Meerholz
Nur für Rentner
Gelnhausen-Meerholz (sie).
 Für Freunde des Straßentheaters war das Gastspiel des Komödianten Hans Schwab
ein absolutes MUSS. Da reichte der Platz in der Scheune der Familie Honzen nicht aus. Die Zuschauerreihen
mussten bis weit in den Hof erweitert werden. Zum zweiten Mal bereicherte der Allround- und
Verwandlungskünstler mit seinem unvergleichlichen Bühnenspektakel die Meerholzer Kulturtage.
Diesmal mit Partnerin und Programmgestalterin Ronka Nickel an seiner Seite. Unter dem Titel: ".. .und die dicke
Träne quillt" begaben sich die beiden Mimen als "Weißclown" und "Dummer August" ins 19. Jahrhundert.
Angetan mit entsprechenden Klamotten, mit einem alten Akkordeon, Küchenliedern, Moritaten und Bänkelliedern
aus Omas Nähkästchen schienen sie tatsächlich jener Zeit entsprungen zu sein. Zwei schräge Vögel, die mit
Schmelz, Schmilz, Sentimentalität und einer ordentlichen Portion Witz ein herrliches Kuriosum zauberten.
"Nur für Rentner, Frührentner und Senioren ist dieses Programm geeignet", scherzte. Schwab. Doch die jüngeren
unter den Zuschauern hatten ebenso wie die älteren "einen Riesenspaß an den warmen, gefühlvollen, sinnlichen
und unsinnigen Balladen.
Ob traurig oder lächerlich, ob leidenschaftlich oder satirisch: Die beiden Darsteller machen vergessene Moritaten, altbackenen Schwulst zu einem
erfrischenden Vergnügen. Äußerst differenziert tun sie dies ' und es gelingt ihnen auf faszinierende Weise, jene Zeit, die man auch die dunkle Zeit nennt,
lebendig werden zu lassen. Damals, so erzählen sie, wurde 1879 in einem Berliner Straßenzug erstmals eine elektrische Straßenbeleuchtung installiert. Zu
Tausenden strömten die Menschen dorthin, wo, wie durch ein Wunder, die Nacht zum Tag wurde.
Mit solchen und anderen Anekdötchen beleuchteten sie das Jahrhundert der bahnbrechenden Erfindungen, aber auch der Straßensänger mit ihren mehr oder
weniger wahrheitsgetreuen Sensationsberichten. Einer davon ist die rührselige Liebesmoritat mit dem Knopf (siehe Kasten).
Wer Kennt es nicht, das ewig' aktuelle Übel mit den schlecht angenähten Knöpfen? !
Sinn und Unsinn, Rares und Kurioses aus 19. Jahrhundert
Hans Schwab und Ronka Nickel begeisterten bei den Meerholzer
Kulturtagen im Hof Honzen
GELNHAUSEN (se). Hans Schwab und Ronka Nickel begeisterten am Mittwoch bei den Meerholzer Kulturtagen im Hof Honzen. "Sinnliches und Unsinniges,
Raritäten und Kurioses" waren zurecht unter dem Titel ".,. .und die dicke Träne quillt.,." angekündigt worden: Es wurde ein faszinierender und facettenreicher
Abend, den die Akteure mit ihrer Präsenz und ihrem Können zu einem Erlebnis gestalteten. Über 150 Gäste genossen den Auftritt, selbst wenn ein Teil von
ihnen im Freien sitzen musste und somit reichlich weit weg von der Bühne.
Mit Liedern, Anekdoten, geschichtlichen Anmerkungen und immer wieder witzigen Kommentaren ließen sie für die Zuschauer das 19. Jahrhundert Revue
passieren. Eine Zeit, die noch gar nicht so lange zurückliegt, aber mit ihren Eigenheiten und Gebräuchen für viele bereits fast vergessen ist. Erläutert wurde
in der äußerst abwechslungsreichen Veranstaltung auch der Titel "...und die dicke Träne quillt..." Eine Reihe von Moritaten und Bänkelliedern erzählten von
Unglücken, Morden, Räubereien und sonstigen Verbrechen und zudem spielten auch immer wieder Flüsse und sonstige Gewässer bei Todesfällen eine Rolle:
"... und er und sie schwammen beide als Leichen ins Meer," hieß es beispielsweise in einer Geschichte, in der ein abreißender Knopf die Rettung zweier
junger Menschen vereitelte. "Weil der Faden gerissen, hatte so der Schneider zwei Leben auf dem Gewissen." Gleich zur Begrüßung wurde das Lied
"Mariechen saß weinend im Garten" als "Tophit" jener Tage vorgestellt. Im Jahre 1832 sei es geschrieben worden und habe, wie andere beliebte Volksweisen
gleichermaßen, durch den Gebrauch auch Veränderungen erfahren: so sei ursprünglich von "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus" beispielsweise
nur eine Strophe bekannt
Daneben gab es zur Illustration auch immer wieder faktische Anmerkungen. Ebenfalls 1832 wurden der Faradaysche Käfig und der Dynamo erfunden, Goethe
verstarb und Wilhelm Busch kam auf die Welt. 1854 wurde in Berlin die Litfasssäule kreiert und 1860 in Kalifornien der Martini.
Angesprochen wurden außerdem die beginnende Industrialisierung, die Epoche als Zeitalter des Dienstpersonals, die wichtige Rolle der Militärs und vieles
andere mehr. Dies, im Wechsel mit den teilweise -für unseren Sprachgebrauch -ungewohnt wirkenden Texten, bot Information und Unterhaltung gleichzeitig
auf verschiedenen Vermittlungsebenen und war äußerst anregend und amüsant.
(Gelnhäuser Tagblatt)
Geschichtslexikon schien völlig überflüssig zu sein ...
Ronka Nickel und Hans Schwab entführten mit "...und die Träne quillt" ins 19.
Jahrhundert - Mehr als Plaudereien aus Urgroßmutters Nähkästchen
Von Björn Leo
ORTENBERG. Es muss nicht immer der Griff zum verstaubten Geschichtsbuch sein, das dem nach Wissen Trachtenden eine ganze Epoche zu vermitteln
versucht. Wer gegenwärtig in Internetforen verkehrt, im Chatroom mit etwas Phantasie zwischen den Zeilen liest oder auf der Zugfahrt klammheimlich das
Gespräch der Sitznachharn belauscht, dem offenbart sich nicht selten der Gemütszustand der gesamten Nation.
Befürchtungen und Ängste, Träume und das Streben nach dem großen Gluck. Was oft als "ganz normaler Alltagswahnsinn" bezeichnet wird, spiegelt sich im
19. Jahrhundert ziemlich treffend im Volkslied wider. Eine Ausdrucksform, die Sinnliches und Unsinniges sowie Raritäten und Kurioses offenbart und jetzt von
Hans Schwab und Ronka Nickel unter dem Titel .. "und die dicke Trane quillt - Bänkel und Kitsch" in Ortenberg mehrfach präsentiert wurde.
Der Kulturkreis Altes Rathaus in Ortenberg hatte zunächst in die Galerie am Alten Markt eingeladen. Aufgrund der großen Nachfrage bot das Duo zwei
Zusatzvorstellungen ihres Programms im Restaurant ..Mauergarten Balkangrill" in Ortenbergs Altstadt an.
Als Gründer der Kleinkunstbühne "Fresche Keller" genießt das Künstlerehepaar weit über die Grenzen der Region hinaus einen guten Ruf. Diesem wurden sie
zuletzt mit ihren melodramatischen Aufführungen von "Schaurig schön" gerecht, einem Programm, bei dem Ronka Nickel gekonnt Regie führte und Hains
Schwab eindrucksvoll seine Qualitäten als Schauspieler unter Beweis stellte.
Das aktuelle Programm präsentierte dem restlos begeisterten Ortenberger Publikum erstmals das Duo gemeinsam auf der Buhne "… und die dicke Träne
quillt" lieferte in der Tat einen nostalgischen Rückblick auf das 19. Jahrhundert. Volkslieder, wie das bekannte "Mariechen saß weinend im Garten" oder "Muss
i denn zum Städele hinaus" wechselten sich mit heiteren Erzählungen ab, die mehr als nur Raritäten aus Urgroßmutters Nähkästchen waren. Plötzlich
tauchten sie auf, die bekannten Bilder einer längst vergessenen Zeit
Schwab und Nickel machten preußische und österreichische Soldaten lebendig, die sich zu Beginn der 1830er Jahre im deutschsprachigen Raum belauerten
oder erzählten humorvolle Anekdoten vergangener Berufsstände. Etwa vom Türmer, von dem Nachtwächter vom "Ort am Berg", dessen Gesang die braven
Bürger daran erinnerte, dass die Nacht den Tag nun gefressen habe und dass es fortan angebracht sei, vom Sinn und Ziel des Seins zu träumen, Träume, die
vielleicht vom fernen Amerika handelten, in das im 19 Jahrhundert fast 58 Millionen Deutsche auswanderten. "Wir lassen Haus und Hof zurück und suchen
anderweitig Glück", hieß es m einem der zahlreichen Lieder am Abend. Bei der Einfahrt in den Hafen von Baltimore war die Hoffnung noch groß. "Viktoria,
jetzt sind wir in Amerika" jubelten die erwartungsfrohen Menschen am der Schiffsreling stehend. 
Wie viele ihren Traum verwirklichen konnten, vermochten die Verse nicht zu berichten. Die mit Moritaten und Bänkelgesang versehene Zeitreise machte in
urigen Kneipen Station, in denen die Handwerksburschen stimmgewaltig Sauflieder anstimmten. Das Paar erzählte vom Charme der preußischen Offiziere,
dem so manche Jungfrau hoffnungslos verfiel Hans Schwab und Ronka Nickel griffen mal zum Knopfakkordeon und mal zum Alphorn, und ließen nicht zuletzt
durch trockene Randbemerkungen und zeitgenössische Redewendungen das Geschichtslexikon überflüssig erscheinen.(Wetterauer Zeitung)